Nach der gestrigen Pressekonferenz von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken schlägt die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) Alarm. Die Auswirkungen der Sparvorschläge von Warken auf die ambulante Versorgung in Rheinland-Pfalz, vor allem im fachärztlichen Bereich, sind drastisch.
“Derzeit kann man keiner Ärztin und keinem Arzt guten Gewissens zur Niederlassung raten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Sparpläne sollten auch die Förderprogramme der Kassenärztlichen Vereinigungen überdacht werden”, sagt Dr. Andreas Bartels, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV RLP.
Drastische Auswirkungen für Praxen zu erwarten
Die im Sparpaket der Gesundheitsministerin geplanten Kürzungen bedrohen die ambulante fachärztliche Versorgung in Rheinland-Pfalz massiv. Allein die Streichung der Pauschalen zur Förderung der fachärztlichen Grundversorgung führt zu einem Honorarverlust von 43 Millionen Euro jährlich. Das ist in Rheinland-Pfalz besonders problematisch. Grund ist eine im Jahr 2014 im Schiedsamt mit den Krankenkassen vereinbarte Vergütungsanpassung, die gerade die fachärztlich tätigen Vertragsärztinnen und -ärzte fördern sollte.
Zusammen mit den weiteren Sparvorschlägen erwartet die KV RLP einen Honorarverlust von 150 Millionen Euro jährlich, davon 120 Millionen Euro im fachärztlichen Bereich. Dies bedeutet für die Praxen im Schnitt einen Umsatzverlust von 10 Prozent, wobei einige noch stärker betroffen sein könnten. Viele werden wirtschaftlich nicht überleben und müssen Personal abbauen oder die vertragsärztliche Tätigkeit aufgeben. “Ich kann niemandem böse sein, der mit über 60 Jahren seine Praxis schließt. Leider betrifft das viele Kolleginnen und Kollegen in Rheinland-Pfalz”, so Dr. Bartels.
Einsparungen auf dem Rücken der Patientinnen und Patienten
“Die Patientinnen und Patienten werden die Folgen deutlich spüren”, ist Dr. Bartels sicher. Die Finanzkommission habe die Einsparungen aus rein volkswirtschaftlicher Sicht erarbeitet, was zwar stringent, aber realitätsfern sei. Eine langfristige Investition in eine Praxis erfordere Stabilität und Zukunftsperspektive, was derzeit jedoch fehle. Das gelte gerade für die Nachwuchsgewinnung und deren Förderprogramme.